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Die Tuch- und Textilindustrie

 

Die Ersterwähnung der Tuchherstellung im Clermontais stammt aus dem 14. Jahrhundert, doch es scheint möglich, dass sie schon weit vorher existierte so wie die der Nachbarstadt Lodève, die schon im 12. Jahrhundert erwähnt wird.

Die Tuchindustrie

Das industrielle Viertel von Clermont l’Hérault befand sich in der Vorstadt am Bach Rhônel, der in dieser Epoche noch ergiebig floss. An seinen Ufern gab es Textilfabriken, Gerber und Färber: kurz, alle Berufszweige, die mit der Tuchindustrie einhergehen. In der Innenstadt befanden sich kleine Ateliers, die die Hand einer Frau für die feineren Arbeiten benötigten. Die Straßennamen erinnern heute noch an diese Berufe: la „rue filandière“ (Spinnerin), „des Rames“ (Spannrahmen) oder „des Tiradous“ (ein Werkzeug zum Spannen)…

Die in Clermont hergestellten Stoffe waren von feinster Qualität, denn das saubere Wasser des Rhônel war prädestiniert für das Waschen und Einfärben der Stoffe. Diese hohe Qualität erlaubte es, die Stoffe bis in den mittleren Orient zu exportieren, wo sie dank der „Häfen der Levante“, in denen der Sultan den Franzosen eine gewisse Handelsfreiheit zugestand, reichen Absatz fand. Für die Herstellung des Tuches wurde Wolle aus Spanien verwendet, die auf Grund ihrer Feinheit eine Fabrikation erlaubte, die der englischen gleichkam – daher der Name „Londrins“. Die Fabrikation war eine rein handwerkliche und es wurden deshalb viele Menschen beschäftigt, die von zu Hause aus für ihre Tuchmachermeister arbeiteten und dafür einen Stücklohn erhielten.

Bis ein hochwertiges Produkt verkaufsfähig war, mussten eine Vielzahl von Arbeitsschritten durchlaufen werden. Minderwertige Ware wurde oftmals zerstört. Dies geschah auf Anordnung der „contrôleurs de draps“, der Kontrolleure, die streng auf die Einhaltung aller Kriterien zur perfekten Stoffherstellung achteten.

Die starke englische und holländische Konkurrenz führte jedoch im 19. Jahrhundert zusehends dazu, dass die hiesige Produktion mehr und mehr zurückging, um zwischen den beiden Weltkriegen schließlich vollständig zu erlöschen. Die Manufaktur von Villeneuvette, die 1673 gegründet worden war und 1677 unter dem König Louis XIV königlich wurde, existierte hingegen quasi autark und konnte sich bis zum Jahre 1954 halten. Auch dort wurden Stoffe für den Export hergestellt. Sie hatte eine kleine Zweigstelle in dem kleinen Ort Aspiran. Eine dritte Tuchfabrik befand sich in Ceyras am Ufer der Lergue. Dabei handelte es sich um die Fabrik Lugagne Delpon, einem Tochterunternehmen der Gleichnamigen in Clermont l’Hérault . L’industrie drapière sera supplantée par la viticulture et le raisin de table. Der Weinanbau und die Produktion der Tafeltrauben traten bald an die Stelle der Tuchindustrie.

Die « Ginstertuchindustrie »

Das Tuch aus Fasern des Ginsterbusches wurde in unserer Gegend lange Zeit per Hand hergestellt. Dazu diente der spanische Ginsterbusch, der hier sehr verbreitet war. Schon die Römer und Karthager hatten diese Fasern für die Herstellung von Segeln verwendet. Noch im Zweiten Weltkrieg nutzten die Sicherheitskräfte der Minen den antistatischen Charakter der Ginsterfaser für die Herstellung von Transporttüchern für Kohle: in der Tat konnte jeder noch so kleine Funke ausreichen, um eine Kohlestaubexplosion zu provozieren. Cette fabrication assez artisanale de la toile de genêt occupait une certaine partie de la population rurale des environs de Lodève et de Clermont et ce, surtout pour le compte de particuliers.

Dieses Handwerk von Stoffen aus Ginsterfasern schuf eine Beschäftigung für einen Teil der ländlichen Bevölkerung in der Umgebung von Lodève und Clermont, vor allem für unabhängige Fabrikanten. So bestellte beispielsweise am 27. August 1732 ein Einwohner Clermonts 28 Meter Ginstertuch für die Konfektion von Servietten.

Die beigefügten Bilder

Ehemalige Tuchfabrik, rue Fégère, Clermont l'Hérault - JPEG - 216.9 kB
Ehemalige Tuchfabrik, rue Fégère, Clermont l’Hérault

Crédit OT du Clermontais

Fabrik de la Planque in Ceyras (in Privatbesitz) - JPEG - 139.5 kB
Fabrik de la Planque in Ceyras (in Privatbesitz)

Crédit OT du Clermontais

 
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